Sterbenswund

Ich will nicht länger in einer Welt leben, in der

Kassenpatienten keinen Platz beim Psychotherapeuten bekommen,
der Wert eines Menschen sich an seinem Steueraufkommen bemisst,
ich lediglich als Konsumentin willkommen bin,
den Menschen ein Bewusstsein chronischer Schuld eingeimpft wird,
ich im Alter Staub und Dornen ernten werde,
das Reisen die Last der Einsamkeit nur vervielfacht,
selbst mein Schatten mich als Fremde sieht,
das Geschlecht mir Quell des Leidens ist,

automobile Gewalt aus jeder Stadt Gomorrha macht,
ich nach dem letzten Zug am Gleis verbleibe,
meine Wohnung Zuflucht für Gespenster bietet,
ich den Versprechungen nicht länger Glauben schenke,
ich beim Betreten eines Geschäftes beargwöhnt werde,
ich nur unter Betäubungsmitteln durch den Tag komme,
die einzige Hand auf meiner Haut die meine ist,
ich auf der Straße nur von Spendenwerbern angesprochen werde,

Algorithmen aus mir einen Avatar formen,
ich Liebe nur in Büchern finde,
Häuser zur Qual ihrer Bewohner dienen,
allerorten Werbung meinen Geist beleidigt,
Täuschungen als Nachrichten verkauft werden,
unter großem Aufwand Demokratie simuliert wird,
mir Erinnerungen an ein süßes Früher fehlen,
auch heile Musik die Trauer nur verstärkt,

ich trotz aller Mühen nie genügen werde,
mir jugendliche Paare Angst bereiten,
die Menschen über Korruption kommunizieren,
die Entstellten das Licht scheuen aus Scham,
Menschen eine Beziehung führen mit einer KI,
der Schlaf der einzig erträgliche Zustand ist,
ich keine Kraft zu kämpfen mehr habe,
ich Imitat bin und nicht Vorbild.

Daher ist es Zeit zu gehen.